Das Wichtigste in Kürze
- Schon ein 20-Quadratmeter-Garagendach liefert bei Starkregen (25 mm/h) rund 450 Liter Wasser in einer Stunde, mehr als doppelt so viel wie eine 200-Liter-Tonne fasst
- Die Überlaufbohrung sitzt am besten 5 bis 10 Zentimeter unter dem oberen Rand der Tonne
- Der passende Lochdurchmesser liegt meist bei rund 32 Millimetern, am besten direkt an der Tankverschraubung abgleichen
- Material: Lochsäge oder Forstnerbohrer, Tankverschraubung mit Gummidichtung, Schlauch oder HT-Rohr, macht zusammen etwa 10 bis 25 Euro
- Bei einer Kaskade aus mehreren Tonnen entscheidet die Höhe der Verbindung: unten verbunden füllen sich beide Tonnen gleichmäßig, oben verbunden läuft die zweite Tonne erst voll, wenn die erste randvoll ist
Bei Starkregen füllt sich eine Regentonne am Fallrohr innerhalb von Minuten bis zum Rand, oft schneller als man denkt. Ohne Überlauf läuft das überschüssige Wasser dann unkontrolliert über den Tonnenrand, wäscht den Untergrund aus und kann sich im schlimmsten Fall bis zur Hauswand zurückstauen.
Wie groß das Problem tatsächlich ist, zeigt eine einfache Rechnung, die die wenigsten im Kopf haben. Hier bekommst du diese Rechnung, die passende Bohrposition, eine komplette Materialliste, die Schritt-für-Schritt-Anleitung und die Antwort auf die Frage, wann sich statt eines Lochs eher eine Kaskade aus mehreren Tonnen lohnt.
Wie viel Wasser wirklich auf deine Tonne trifft
Für die überschlägige Regenwassermenge gilt eine einfache Formel: Dachgrundfläche in Quadratmetern mal Niederschlag in Millimetern mal 0,9. Der Faktor 0,9 zieht rund 10 Prozent für Erstspülung, Filterverluste und Verdunstung ab. Gezählt wird dabei immer die horizontale Grundfläche des Dachs, nicht die geneigte Dachfläche, denn Regen fällt senkrecht.
Der Deutsche Wetterdienst stuft ab 10 Millimetern Niederschlag pro Stunde einen Starkregen als möglich ein, ab 25 Millimetern pro Stunde gilt er als eindeutig. Für ein kleines Garagen- oder Carportdach von 20 Quadratmetern ergibt das bei einem eindeutigen Starkregen-Ereignis folgende Rechnung:
| Dachfläche | Niederschlag | Wassermenge pro Stunde |
|---|---|---|
| 20 m² (Garage, Carport) | 25 mm/h (Starkregen) | rund 450 Liter |
| 60 m² (Einfamilienhaus, Teilfläche) | 25 mm/h (Starkregen) | rund 1.350 Liter |
Eine handelsübliche 200-Liter-Regentonne ist bei diesen Mengen in wenigen Minuten voll, bei der größeren Dachfläche reicht das Wasser sogar für mehrere gefüllte Tonnen. Genau deshalb lohnt sich ein durchdachter Überlauf mehr als ein gelegentlicher Blick aus dem Fenster bei Regen.
Die richtige Position für die Überlaufbohrung
Die Bohrung gehört 5 bis 10 Zentimeter unter den oberen Rand der Tonne. Dieser kleine Puffer verhindert, dass bei starkem Wasserdruck aus dem Fallrohr trotzdem noch Wasser über den Rand schwappt, bevor der Überlauf richtig greift. Setze die Bohrung außerdem auf der Seite, die vom Haus weg zeigt, damit die Ableitung später ein natürliches Gefälle nach außen hat.
Welches Tonnenmaterial du hast, spielt eine Rolle
Die klassische Anleitung mit Lochsäge und Tankverschraubung funktioniert zuverlässig bei Kunststofftonnen, dem mit Abstand häufigsten Material im Garten. Bei Holzfässern und verzinkten Blechtonnen lohnt sich vorher ein zweiter Blick.
- Kunststofftonne: Lochsäge und Tankverschraubung mit Gummidichtung sind Standard, die Wand ist gleichmäßig dick und lässt sich sauber bohren.
- Holzfass: Hier lohnt sich eine Tankverschraubung mit etwas größerer Anlagefläche oder ein zusätzlicher Dichtring, da sich Holz je nach Feuchtigkeit leicht ausdehnt und zusammenzieht.
- Verzinkte Blechtonne: Bohrkanten solltest du nach dem Sägen zusätzlich mit Rostschutzlack versiegeln, damit an der Schnittkante kein Rost ansetzt, der sich mit der Zeit ausbreitet.

Diese Materialien brauchst du
| Material | Zweck | Preis ca. |
|---|---|---|
| Lochsäge oder Forstnerbohrer (ca. 32 mm) | Bohrung für die Tankverschraubung | 8-15 € |
| Tankverschraubung mit Gummidichtung | Dichter Durchbruch durch die Tonnenwand | 4-8 € |
| Silikon | Zusätzliche Abdichtung rund um die Verschraubung | 3-5 € |
| Schlauch oder HT-Rohr | Ableitung des Überlaufwassers | 2-10 € |
Schritt für Schritt: So baust du den Überlauf
Alternative: Regensammler mit eingebautem Überlauf
Vorher prüfen: Viele moderne Regensammler am Fallrohr haben bereits eine eigene Überlauf-Automatik nach dem Prinzip kommunizierender Röhren: Ist die Tonne voll, staut sich das Wasser im Zulauf zurück und läuft von selbst weiter durchs Fallrohr ab. Schau dir dein Modell genau an, bevor du zusätzlich ein Loch bohrst, manchmal ist der Griff zur Bohrmaschine gar nicht nötig.
Mehrere Tonnen als Kaskade: unten oder oben verbinden?
Willst du mehr Wasser speichern als eine einzelne Tonne fasst, lohnt sich eine Kaskade aus zwei oder mehr Tonnen. Entscheidend ist dabei, auf welcher Höhe du die Tonnenverbinder ansetzt, denn das bestimmt das komplette Verhalten des Systems.
| Verbindung | Verhalten |
|---|---|
| Unten verbunden | Beide Tonnen füllen sich gleichzeitig und gleichmäßig, nach dem Prinzip kommunizierender Röhren gleicht sich der Wasserstand automatisch an |
| Oben verbunden | Die zweite Tonne bleibt zunächst leer, erst wenn die erste bis zur Verbindung randvoll ist, läuft Wasser in die zweite über, die Verbindung wirkt als Überlauf |
Willst du beide Tonnen möglichst gleichmäßig nutzen, verbindest du unten. Soll die zweite Tonne dagegen als reine Reserve für Starkregen dienen, verbindest du oben, dann bleibt sie bei normalem Regen leer und füllt sich nur bei Bedarf.
Wohin mit dem Überlaufwasser?
- In eine zweite Regentonne, per Tonnenverbinder als Kaskade angeschlossen
- In eine Rasenfläche oder ein Beet mit ausreichend Abstand zum Fundament
- Zurück ins Fallrohr, unterhalb des Regensammlers eingeleitet
Nicht empfehlenswert: Die Ableitung direkt Richtung Hauswand oder Kellerfenster verlegen, das begünstigt Feuchtigkeitsschäden am Mauerwerk.
Häufige Fehler beim Regentonnen-Überlauf
- Bohrung zu hoch angesetzt, sodass die Tonne trotzdem über den Rand läuft, bevor der Überlauf greift
- Bohrung zu tief angesetzt, wodurch unnötig Speichervolumen verschenkt wird
- Schlauch nur in das Loch gesteckt statt eine richtige Tankverschraubung zu verwenden, was mit der Zeit undicht wird
- Bei Blechtonnen die Schnittkante nicht versiegelt, wodurch sich dort Rost bildet
- Vorhandene Überlauf-Automatik am Regensammler übersehen und unnötig zusätzlich gebohrt
- Bei einer Kaskade die Verbindungshöhe falsch gewählt und sich über eine leer bleibende zweite Tonne gewundert
Fazit
Schon ein kleines Dach liefert bei Starkregen mehr Wasser, als eine einzelne Tonne fassen kann, das zeigt die Rechnung oben deutlich. Ein Überlauf ist in unter einer Stunde und für einen zweistelligen Euro-Betrag erledigt. Entscheidend sind die richtige Höhe der Bohrung, eine ordentliche Tankverschraubung statt eines lose gesteckten Schlauchs, das passende Vorgehen je nach Tonnenmaterial, und eine Ableitung, die konsequent vom Haus wegführt.
Häufige Fragen zum Regentonnen-Überlauf
Wie viel Wasser läuft bei Starkregen tatsächlich zusammen?
Bei einem 20 Quadratmeter großen Dach und 25 Millimetern Niederschlag pro Stunde kommen rund 450 Liter zusammen, mehr als eine übliche 200-Liter-Tonne fasst.
Wie hoch soll die Überlaufbohrung sitzen?
Rund 5 bis 10 Zentimeter unterhalb des oberen Tonnenrands.
Welchen Lochdurchmesser brauche ich?
Meist etwa 32 Millimeter, das solltest du aber immer direkt an deiner Tankverschraubung abgleichen.
Gilt die Anleitung auch für Holz- oder Blechtonnen?
Im Kern ja, bei Holzfässern lohnt sich eine größere Dichtfläche, bei Blechtonnen solltest du die Schnittkante zusätzlich gegen Rost versiegeln.
Sollte ich mehrere Tonnen oben oder unten verbinden?
Unten für gleichmäßige Füllung beider Tonnen, oben, wenn die zweite Tonne nur als Reserve bei Starkregen dienen soll.
Brauche ich überhaupt einen zusätzlichen Überlauf?
Nicht unbedingt. Manche Regensammler am Fallrohr haben schon eine eigene Überlauf-Automatik, das lohnt sich vorher zu prüfen.
